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Chronik St. Antonius Wickede (Ruhr)
1600 - 1790
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1965 - 1982
Kunstwerke wiederentdeckt
Chronik
Seelsorger in Wickede
Fronleichnam
Anhang

 

Die Kirche von 1954 bis 1989

Die Gemeinde hatte einen neuen Pfarrer. Paul Ostermann war der Mann, der für die schnell wachsende Gemeinde manche Bauten erstellte. So wurden in seiner Zeit Vikarie und 2 Kindergärten neu gebaut und manche Objekte instandgesetzt. Bürgermeister Schweins hatte bei seiner Einführung gesagt, dass er wohl die 2. Kirche in Wickede bauen würde. Als Rendant für den Wiederaufbau des Erzbischöflichen Leokonvikts in Paderborn und als ehemaliger Sekretär des Bonifatiusvereins hatte er sich die entsprechenden "Bauerfahrungen" erworben.

Ende Juni 1954 wurde das neue Pfarrbüro eingeweiht. In dieser Zeit war auch der Erzbischof Lorenz Jaeger "inkognito" einige Tage in Wickede. Der Pfarrer zeigte ihm auch die Kirche und der Erzbischof war sichtlich befremdet über die in mehrfacher Weise hinderlichen Säulen. Später muss wohl von dieser Seite noch ein Hinweis gekommen sein. Pfarrer Ostermann besprach diese Angelegenheit Ende 1957 mit dem Leiter des Staatshochbauamtes in Soest, Regierungsbaurat Dambleff. Dieser brachte zu Neujahr 1958 einen Entwurf, der in Wickede Zustimmung fand. Der Pfarrer nahm den Plan im Februar mit nach Paderborn und zeigte ihn dem Erzbischof und verschiedenen maßgeblichen Leuten. Der Plan wurde mit großem Interesse aufgenommen und fand Anerkennung.

Im Juni 1959 wurde der Gemeinde der Umbauplan in einem Modell vorgeführt. Die vorbereitenden Umbauarbeiten begannen auf dem Dachboden der Kirche. Hier waren Verbände und Verstrebungen anzulegen. Architekt Josef Lutter übernahm die örtliche Bauleitung. Er war auch bei den vorbereitenden Besprechungen mit Herrn Dambleff und der Kommission aus Paderborn mit dabeigewesen und kannte die Probleme genau. Die Bauarbeiten hatte die Firma Lutter, Bremen, übernommen. Jetzt erst tauchte der Plan auf, den Chorraum abzumauern und im alten Chor einen Gottesdienstraum für kleine Gruppen einzurichten. Diese Maßnahme ist sehr umstritten gewesen. Der starken Kritik standen auch viele Befürworter gegenüber. Anfang August waren auf der Südseite alle 4 Stahlsäulen eingebaut. 2 starke Stahlträger nehmen jetzt das darüber befindliche Mauerwerk mit der gesamten Dachkonstruktion auf.

August 1959

Bauzustand um den 10.08.1959. An der Südseite sind die neuen Stahlsäulen eingebaut. Die Stahlträger über den Stahisäulen verkleidet und verputzt. An der Nordseite wird das Gerüst aufgebaut. Es wurde in mehreren Schichten gearbeitet. Die Sonntagsgottesdienste feierte man in der Kirche, die Werktagsmessen im Vereinshaus.

 

Bild links: Dann begannen die Arbeiten an der Nordseite. Auf dem obenstehenden Bild sind Stahlstützen und Stahlträger bereits eingebaut. Das darunter befindliche Mauerwerk muss noch abgebrochen und die Stahlträger verkleidet werden. Die Arbeiten waren am 27.08.1959 bereits abgeschlossen.

Bild rechts: Sonntagsmesse. Am Altar steht P. Franz X. Nierhoff der spätere Bischof von Floresta (Brasilien). Er verbrachte damals hier seinen Heimaturlaub. Das neue Altarpodest ist erstellt und der Altar im Rohbau fertig. Der Chorraum wird abgemauert.

 

Aus der Pfarrchronik:

12.10.1959: Nachdem die Maurerarbeiten in der Kirche im wesentlichen abgeschlossen sind (das hohe Chor ist angemauert, die Rundbögen an den Seiten sind für einen neuen Außengang durchbrochen und geputzt), kann in der kommenden Woche das Gerüst für die Anstreicherarbeiten eingebracht werden.

15.11.1959: Die Anstreicherarbeiten in der Kirche sind vollendet und der Asphaltestrich in der Kirche eingebracht.

21.11.1959: Der PVC-Fußboden ist verlegt. Die neuen Kirchenbänke sind in der Kirche.

13.12.1959: Das Triumphkreuz, der Hochaltar und die Marienfigur vollenden in diesen Tagen den Kirchenumbau.

Am 20.12.1959 wurde der Tabernakel in die Kirche eingebracht.

Am 10.04.1960 war Erzbischof Dr. Lorenz Jäger in unserer Gemeinde, um den neuen Altar zu weihen. Er war von dem Umbau der Kirche sehr angetan.

 

Kirche nach dem Umbau. Weihnachtszeit 1959/1960

 

Die neuen Fenster kamen 1962/64 in die Kirche. Im September 1964 traf die Nachricht ein, dass der Hl. Vater, Papst Paul VI., den Regens des Priesterseminars von Crato (Ceara) in Brasilien, Franz Xavier Nierhoff MSF zum Bischof ernannt hat. Ihm wird die freie Wahl der Konsekrationskirche überlassen, und so findet die Bischofsweihe in unserer Pfarrkirche statt.

Der 29.09.1964 dürfte wohl einmalig in der Geschichte unserer Pfarrei sein. Vom damaligen Schwestemhaus am heutigen Altenheim an der Bergstraße setzte sich in Prozessionsform ein Zug in Bewegung, an dem unter anderen 14 Bischöfe teilnahmen. Das Ziel war die St. Antoniuskirche, in der unser Erzbischof Lorenz die Bischofsweihe vornahm. Die Bischöfe waren fast alle aus Brasilien. Da in Rom gerade "Konzilspause" war, wollten sie sich die Konsekrationsfeier ihres neuen Mitbruders nicht entgehen lassen. Das Fernsehen übertrug einen Teil der Feier. Die Gemeinde nahm großen Anteil, die Kirche war überfüllt. Alle konnten die Weihehandlung gut verfolgen; die Säulen störten nicht mehr.

So zeigte es sich, dass das Generalvikariat, welches schon 1903 in einem Brief an den Kirchenvorstand geschrieben hatte: " ... zunächst Verbreiterung der Seitenschiffe und im Zusammenhange damit Beseitigung der Zwischenpfeiler ... " schon damals den richtigen Weg aufgezeigt hatte.

Das Jahr 1964 ging zu Ende. In diesem Jahr hatte die Kirchengemeinde ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Festhochamt am 7. Juni gefeiert.

Am 29. Dezember flog Bischof Nierhoff zurück nach Brasilien, um am 02.01.1965 seine Diözese Floresta zu übernehmen.

Im Winter des Jahres 1964/65 stellte man Schäden am Kirchturm fest, die eine Einrüstung des ganzen Turmes erforderlich machte. Der alte Putz hatte stellenweise Risse bekommen. Der Turmhelm musste neu verschiefert werden. Die Arbeiten kamen im August zur Ausführung. Schäden am Dach der Kirche waren im Anschluss an die Turmreparatur auch noch zu beseitigen.